Was würdest du sehen, wenn du auf den Jupiter fallen würdest?

Hast du dich jemals gefragt, was du sehen würdest, wenn du auf den Jupiter, den mit einem Durchmesser von etwa 143.000 Kilometern größten Planeten in unserem Sonnensystem, fallen würdest? Wir haben uns das gefragt und nehmen dich mit auf eine imaginäre und doch spannende Reise.

Stell dir vor, du hast einen luftdichten Raumanzug an, dem extreme Temperaturen nichts anhaben können. Der einen etwa 100-mal stärkeren Druck aushält als auf der Erde und der dich zuverlässig mit Luft, Wasser und anderen lebensnotwendigen Dingen versorgt. In diesem Anzug fällst du aus dem All auf den Planeten Jupiter und hast die Möglichkeit, diesen einzigartigen Planten aus der Nähe zu betrachten.

Jupiter
Jupiter – © berni0004 / Shutterstock.com

Die Galileischen Monde

Während du dich nun also im freien Fall dem Planeten Jupiter näherst und nach seinem Mond Ausschau hältst, wirst du wahrscheinlich staunen, denn es gibt derer gleich 79 (zumindest nach aktuellem Stand der Forschung; du kannst ja nachzählen, ob die Forscher da richtig liegen). Die größten und bekanntesten werden dir bestimmt auffallen: Es sind die Galileischen Monde – benannt nach ihrem Entdecker Galileo Galilei: Ganz außen der dunkle Kallisto gefolgt von Ganymed, dem größten der vier, Europa mit seiner auffallend hellen Oberfläche, da der Mond von einer dicken Eisschicht bedeckt ist, und schließlich Io mit zahlreichen Vulkankratern.

Kannst du sie erkennen? Wenn du genau hinschaust, kannst du vielleicht sogar einen aktiven Vulkan auf Io erkennen. Und vielleicht sogar in etwa drei Millionen Kilometer Entfernung den Saturn mit seinen charakteristischen Ringen? Der wäre auch eine Reise wert, aber jetzt geht deine Reise erst einmal weiter in Richtung Jupiter. Fällt dir eigentlich auf, wie schnell sich der Planet dreht? Der Jupiter ist der sich am schnellsten drehende Planet in unserem Sonnensystem.

Ringe voller Asteroidenstaub

In etwa 250.000 Kilometer Entfernung vom Mittelpunkt des Jupiters kommst du durch die ersten Planetenringe. Die beiden äußeren Gossamer-Ringe sind sehr dünn im Vergleich zu den dicken inneren Ringen, dem sogenannten Hauptring und dem Halo-Ring etwa bei Kilometer 100.000 vor dem Jupiterzentrum. Die Ringe bestehen aus feinen Staubkörnchen, von denen die meisten nur weniger Mikrometer groß sind, also mit bloßem Auge nicht so zu erkennen. Man nimmt an, dass dieser Staub von den Jupitermonden kommt, die ständig von Asteroiden und Meteoriten bombardiert werden.

Dazu kommt noch das vulkanische Material von Io. Da diese Monde so klein sind, haben sie eine geringe Masseanziehung und der Staub wird ins Weltall getragen. Der nahe gelegene Jupiter hat im Gegensatz dazu eine extrem starke Masseanziehung, allerdings auch ein starkes Magnetfeld, das einen Großteil der Partikel auf Abstand hält. So entstehen die Ringe. Trotzdem wäre ein Fall auf den Jupiter sehr gefährlich, weil der alle Partikel, die dem Jupiter noch näher kommen, als Partikelregen in den Jupiter hineingesaugt werden. Während du weiter hinunterfällst, nimmt deine Sichtweite somit immer weiter ab.

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Bevor du die etwa 50 km breite Wolkenschicht aus Ammoniak erreichst, wo die Sichtweite gleich null ist, hast du lange Zeit (ja, wirklich lange, denn der Planet ist seeeeehr groß) die Gelegenheit, dir die charakteristischen dunklen und hellen Wolkenstreifen oder Wolkenbänder anzusehen, die den Jupiter umschlingen und die du vielleicht sogar schon von der Erde aus durch ein Teleskop erkennen konntest. Sie werden von unfassbar starken Stürmen auf dem Jupiter verursacht. Schließlich findest du dich in der Wolkenschicht wieder, wo diese Bänder und Stürme erzeugt werden. Das kann man sich nicht so vorstellen wie bei uns auf der Erde. Die Wolken und Dunstnebelfelder sind überall, Sie umgeben dich komplett und nehmen dir die Sicht. Es gibt eine dünnere obere Schicht und eine noch dickere untere Wolkenschicht. Aber wann erreiche ich denn endlich den Boden, fragst du dich jetzt vielleicht. Nun, da gibt es ein Problem …

Kann man auf dem Jupiter eigentlich stehen?

Allem Anschein nach gibt es nämlich gar keinen Boden, gar keine feste Oberfläche und darum ist es nicht möglich, auf dem Jupiter zu stehen. Es wäre schon allein deshalb nicht möglich, weil du sofort vom starken Wind umgeblasen werden würdest. Auf dem Jupiter kann man nicht einfach so landen, da es sich um einen Gasplaneten handelt. Der Planet hat keine harte Oberfläche, wie wir sie von der Erde, vom Mond oder vom Mars her kennen. Wenn du also versuchen würdest, auf dem Jupiter zu stehen, würdest du einfach einsinken oder der starke Druck würde dich erdrücken. Und das Gehen würde dich einiges an Muskelkraft kosten, ist die Schwerkraft auf dem Jupiter doch zweieinhalbmal so groß wie die Erdanziehungskraft.

Atmosphäre ohne klare Grenze

Der Planet Jupiter hat keine klar begrenzte Atmosphäre. Er besteht hauptsächlichen aus Gasen, viel Wasserstoff und ein wenig Helium und noch ein paar anderen Gasen. Eine Atmosphäre, wie wir sie von der Erde kennen, gibt es nicht. Die Atmosphäre bereits Teil des Planenten und geht allmählich in das flüssige Innere des Planeten über.

Wann genau der Punkt ist, an dem du in den Jupiter eingetreten bist, kann man nicht ganz genau sagen. Aber wenn du die dichte Wolkenschicht, die hauptsächlich aus Wasserstoff besteht, erreicht hast, bist du auf jeden Fall zumindest in der Jupiteratmosphäre angekommen. Du kannst aber noch weiter hinunterfallen. Je weiter du „in den Jupiter“ hineinkommst, desto dichter wird die Wasserstoffschicht, bis sie irgendwann in etwa so dicht ist wie Wasser. Die Forscher sind sich nicht einig, ob der Kern flüssig oder schon fest ist. Manche vermuten, dass er einen kleinen festen Kern aus Gesteinsbrocken oder Eis vermischt mit schweren Stoffen wie Eisen und Silizium hat. Aber du müsstest schon ziemlich robust sein und einen extrem hohen Druck aushalten (mehrere tausend oder sogar mehrere Millionen mal höher als der Druck hier auf der Erde) und es wäre, gelinde gesagt, heiß, um die 35.000 Grad Celsius.

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Es wäre ganz schön windig

Aber selbst wenn du tatsächlich auf der Oberfläche des Jupiters auftreffen könntest, würdest du erstmal gar nichts sehen, sondern nur einen starken Sturm spüren. Und auch das ist etwas untertrieben. Denn die Stürme sind mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3000 km/h unterwegs, da kannst du dich nicht mehr auf den Beinen halten (zum Vergleich: Orkane, die stärkten Winde auf der Erde, haben Windgeschwindigkeiten von 120 bis etwa 150 km/h). Die Wirbelstürme sind nicht nur schnell, sondern auch riesig, mit Durchmessern von bis zu 1400 Kilometern.

Einer dieser Superstürme ist so gewaltig, dass die Forscher ihm gar einen Namen gegebenen haben: Der Große Rote Fleck. Vielleicht hast du die Möglichkeit, bei deinem Fall auf den Jupiter den Großen Roten Fleck zu sehen. Vielleicht glaubst du beim Näherkommen, dass es sich um Krater handelt, doch dem ist nicht so. Das ist ein riesiger Wirbelsturm – dreimal so groß wie die Erde –, der den Jupiter ständig umkreist. Die Wetterphänomene auf dem Jupiter sind mit denen auf der Erde, wo nach ein paar Tagen oder spätestens Wochen keine Rede mehr von einem bestimmten Sturm ist, nicht zu vergleichen. Die Stürme auf dem Jupiter sind viel konstanter. Neben dem erwähnten Großen Roten Fleck kannst du wahrscheinlich noch einen zweiten Roten Fleck erkennen, während du auf den Jupiter fällst. Es gab sogar noch einen dritten Roten Fleck, der jedoch zwischenzeitlich vom Großen Roten Fleck verschlungen worden ist.

Falls du bei deinem Fall auf den Jupiter intensiv leuchtende Lichter an den Polen erkennen kannst, diese sind den Stürmen an den Polen zu verdanken. Polarlichter sozusagen, sehen aber anders aus als die Polarlichter der Erde. Das gigantisches Farbenspiel aus roten, orangefarbenen, braunen oder beigen und sogar blauen, weißen und schwarzen Farben, das sich ansonsten auf dem Jupiter abspielt, liegt den dichten Wolken. Ein besonderes Naturschauspiel sind auch die Blitze. Aber nimm dich in Acht: Sie können tausend Mal stärker sein als die Blitze, die wir von der Erde her kennen …

Was hältst du vom Jupiter?

Ja, es wäre eine spannende Erfahrung, auf den Jupiter zu fallen, und du könntest der Astronomie bei vielen offenen Fragen weiterhelfen. Eines steht jedenfalls fest: Auch wenn ein Leben auf dem Jupiter unter den jetzigen Bedingungen niemals möglich sein wird, so ist er doch unabdingbar für die Erde. Er beschützt uns, indem er aufgrund seiner schieren Masse die Asteroiden von der Erde abhält. Was hältst du vom Jupiter? Würde dich eine Reise dorthin reizen? Was fasziniert dich am meisten? Hast du den Jupiter schon einmal durch ein Teleskop gesehen?