Was fühlen wir, wenn wir sterben?

Wenn der Atem flach wird und das Herz schließlich aufhört zu schlagen, beginnen viele körperliche Prozesse. Bevor der endgültige Tod eintritt, schüttet das Hormonsystem Glücksstoffe aus und das Gehirn spielt dem Sterbenden Halluzinationen vor. Doch leider gibt es nicht für alle Phänomene, die in den letzten Momenten des Lebens beobachtet werden, eine Erklärung.

Die körperliche Seite

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Aus körperlicher Sicht ist das Sterben ein ganz natürlicher Vorgang. In den letzten Minuten und Sekunden vor dem Tod wird die Atmung flacher und unregelmäßiger; das Gesicht und der Gesichtsausdruck verändern sich – es kommt zum „Hippokratischen Gesicht“, wie es Mediziner nennen, bei dem Augen und Wangen einsinken und Kinn und Nasenspitze weißlich und kalt erscheinen. Der Sterbende bemerkt in den letzten Augenblicken eine schwächer werdende Wahrnehmung. Das Bewusstsein trübt sich und das vegetative Nervensystem schaltet sich nach und nach ab. Die Nervosität, die viele Menschen in den letzten Lebensstunden verspüren, weicht einer inneren Akzeptanz. Schließlich stellen auch die inneren Organe allmählich ihre Tätigkeiten ein und das Herz bleibt stehen. Das Gehirn arbeitet noch einige Minuten weiter, bevor es aufgrund der mangelnden Versorgung mit Sauerstoff schließlich zum Tod kommt. In der Zeitspanne zwischen Herzstillstand und Hirntod treten oft erstaunliche Nahtoderlebnisse auf.

Halluzinationen oder ein Blick in das Jenseits?

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Nahtoderlebnisse gehören zu den faszinierendsten Phänomenen des Sterbevorgangs. Immer wieder berichten Patienten, die klinisch tot waren und zurückgekehrt sind, von dunklen Tunneln, hellen Lichtern und anderen Erscheinungen. Oft werden auch religiöse Zeichen oder verstorbene Angehörige beschrieben, die den Sterbenden ins Jenseits begleiten wollen.
Besonders mysteriös sind Außerkörperliche Erfahrungen. Dabei verlässt der Sterbende scheinbar seinen Körper und kann sich von außen sehen. Menschen, die ein solches Erlebnis hatten, erzählen davon, dass sie die Ärzte, die Messgeräte und sogar ihre Freunde und Angehörigen von oben erkennen konnten. Viele dieser Erlebnisse lassen sich logisch erklären.

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Unterversorgung des Gehirns führt zu Nahtoderlebnissen

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Einige Menschen glauben, dass Nahtoderlebnisse ein Beweis für das Leben nach dem Tod sind. Die Wissenschaft hat jedoch eine andere Erklärung: Die Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Blut. Wenn das Organ nicht mehr ausreichend durchblutet wird, treten Halluzinationen auf und die Eigenwahrnehmung sinkt. Die Großhirnrinde ist außerdem für das Ich-Erleben zuständig – ist sie nicht mehr leistungsfähig, treten die bekannten „Out-of-Body“-Erlebnisse auf. Der auf dem Cortex lokalisierte Erinnerungsspeicher ist infolge eines Sauerstoffmangels ebenfalls in seiner Funktion gestört. Das kann dazu führen, das Erinnerungen freigesetzt werden, und der „Lebensfilm“ vor dem inneren Auge abläuft. Sind der untere und der innere Temporallappen betroffen, kann sich sogar eine euphorische Stimmung einstellen. Der Sterbende hört zudem Geräusche und sieht Bilder, die nicht da sind. Und das weiße Licht? Eine Überreaktion der Sehzellen. Durch die gesteigerten Sinneseindrücke kann auch der dunkle Tunnel erklärt werden, den Menschen nach einem Nahtoderlebnis immer wieder beschrieben.

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

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Lange Zeit wurde angenommen, dass die Wahrnehmung bereits 30 Sekunden nach dem Aussetzen des Herzschlags verschwindet. Doch es gibt immer wieder Fälle, in denen Sterbende, die wiederbelebt wurden, von einem anhaltenden Bewusstsein berichten – manchmal sogar Minuten nach dem Herzstillstand. Ein Beweis für ein Leben nach dem Tod ist dies zwar nicht, doch es bedeutet Hoffnung für viele Menschen, die sich ein „Danach“ wünschen.