Das tiefste Loch der Welt

Nicht weit von der russischen Grenze zu Norwegen, in Murmansk auf der Halbinsel Kola, finden wir das tiefste Loch unserer Erde. Stolze 12.262 Meter haben russische Wissenschaftler hier in die Tiefe gebohrt. Ziel der geologischen Bohrung waren ursprünglich sogar 15.000 Meter. So sollte der Aufbau der Erdkruste erforscht werden. Da auf der Halbinsel Kola bis zu 2,5 Milliarden Jahre alte Gesteinsformationen vorliegen, schien dieser Standort besonders vielversprechend zu sein. Ein zweiter Grund für dieses ehrgeizige Vorhaben war vermutlich auch der Wunsch der damaligen Sowjetunion, ihren Gegner im Kalten Krieg zu übertrumpfen. Denn die USA hielten bis dahin mit der Bohrung „Bertha Rogers“ in Oklahoma mit 9583 Metern den Weltrekord.

Die Geschichte der Super-Bohrung

Bohrturm
Credit: commons.wikimedia.org

Nach Vorbereitung seit 1967 startete die eigentliche Bohrung am 24. Mai 1970. Zunächst wurde ein herkömmlicher Bohrturm eingesetzt, der auch für Erdölbohrungen verwendet wurde: der Uralmasch-4E. Um sich den angestrebten 15.000 Metern Tiefe nähern zu können, musste allerdings etwas Neues her. Daher wurde der Uralmasch-15000 konstruiert und ab 1976 erfolgreich eingesetzt. Er hatte die Höhe eines 20-stöckigen Hauses mit 363 Stufen bis zur obersten Plattform. Sein Bohrgestänge brachte das gewaltige Gewicht von fast 200 Tonnen auf die Waage. Das scheint angesichts der Maße der Bohrung durchaus gewaltig zu sein: Während das Bohrloch an seinem Anfang einen Durchmesser von einem Meter hatte, verjüngte es sich nach unten hin auf nur 21,4 Zentimeter.

Am 6. Juni 1979 war es dann so weit: Die Kola-Bohrung schaffte mit 9584 Metern einen neuen Weltrekord in die Tiefe. In der Länge wurde diese Bohrung tatsächlich erst 2008 wieder übertroffen: In Katar im Al-Shaheen-Ölfeld entstand eine Tiefseebohrung von 12402 Metern Länge. Sie kommt allerdings nicht an die Tiefe der Kola-Bohrung heran, denn nur 1500 Meter führen hinunter, der Rest verläuft horizontal. Die 12.000-Meter-Marke knackte die Kola-Bohrung dann am 27. Dezember 1983. Da wurde die Bohrung zunächst für ein Jahr unterbrochen. Bis 1989 wurden dann auch nur noch 262 Meter mehr geschafft, denn die Techniker hatten zunehmend mit hohen Temperaturen zu kämpfen. Entgegen den Erwartungen herrschten dort unten nämlich statt 100 °C gefährliche 180 °C. Das führte dazu, dass die Bohrung schließlich 1989 abgebrochen werden musste. Die geplanten 15.000 Meter wurden nie komplett erreicht.

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Erdmagnetische Messungen

Einige Jahre wurde das Bohrloch im Anschluss noch von Wissenschaftlern für erdmagnetische Messungen und seismische Tests benutzt. 1992 gingen dann auch die letzten Arbeiten an der Kola-Bohrung zu Ende und die restlichen Menschen verließen die Bohranlage. 17 Jahre später, im Sommer 2009, kehrte nochmal ein Arbeitertrupp zurück, der die Anlage demontieren sollte. Der riesige Bohrturm widersetzte sich aber seinem Abriss vehement. Schließlich mussten die Arbeiter fast unverrichteter Dinge wieder abziehen. Sie hatten es lediglich geschafft, ein Viertel des Bohrturms abzureißen. Bis heute wird die Bohrstation nicht mehr genutzt und ist seitdem dauerhaft dem Verfall preisgegeben.

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gab es durch die Kola-Bohrung?

Kola-Bohrung
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Im Jahr 1984 ließ die Sowjetunion eine Gruppe von 31 internationalen Wissenschaftlern die Bohrung besichtigen. Immer wieder hatte es bei den Bohrungen auch überraschende Ergebnisse gegeben. So zeigte sich zum Beispiel an manchen Stellen eine unerwartete Schichtung des Gesteins: Statt dass eine Granitschicht in Basalt überging, folgte archaischer Gneis.

An anderer Stelle, in drei Kilometern Tiefe, fand sich eine Gesteinsart, die fast völlig identisch mit Mondgestein war. Auch Gold wurde bei der Kola-Bohrung gefunden, und zwar in neun Kilometern Tiefe. Allerdings war es wohl nicht so viel, dass ein Abbau gelohnt hätte.

Der wissenschaftlich bedeutendste Fund aber kam um zehn Kilometer Tiefe: In einer 2,5 Milliarden Jahre alten Gesteinsschicht entdeckten die Wissenschaftler meterweise Plankton-Fossilien aus mindestens 14 Arten. Wie war dies möglich, wo doch die bisher geltende wissenschaftliche Meinung war, dass es erst seit 1,5 Milliarden Jahren Leben auf der Erde gibt? Auch der starke Anstieg der Temperatur kam für die Wissenschaftler unerwartet. Die fast doppelt so starke Hitze führten sie schließlich auf natürliche Radioaktivität des Gesteins zurück. Diese ließ sich verständlicherweise nicht beseitigen, was letztendlich zum Ende der Bohrungen führte. Bis heute sind übrigens etwa 45.000 Gesteinsproben noch nicht untersucht, sodass sich durchaus noch weitere Erkenntnisse aus der Kola-Bohrung ergeben können.

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Die Legende von der Höllen-Bohrung

Kola-Bohrung
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Aus bis heute ungeklärten Quellen entstand das Gerücht, die Kola-Bohrung habe die Hölle angebohrt. 1989 waren hitzeresistente Mikrofone in das Bohrloch hinabgelassen worden. Sie übermittelten die Geräusche seismischer Aktivitäten. Diese Töne wurden von einigen als “Schreie aus der Tiefe“ bezeichnet. Ein norwegischer Lehrer machte sich irgendwann den Spaß, einen scheinbar belegbaren Bericht über unheimliche Erscheinungen auf der Kola-Halbinsel zu veröffentlichen. Obwohl er diesen später widerrief und alles als Lüge entlarvte, blieb die Legende von der angebohrten Hölle erhalten und hält sich in manchen Gegenden bis heute.

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Letzte Aktualisierung am 16.12.2018
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