Kryonik: Ich werde sterben, aber ich werde in 200 Jahren zurückkommen

«Ich werde sterben, aber ich werde in 200 Jahren wieder zurückkommen»
Historisches Urteil oder Familienstreit?

Kryonik
Chirurgen präparieren den Leichnam eines Menschen für die Kryostase – Credit: commons.wikimedia.org

Sie wolle nicht beerdigt, sondern eingefroren werden, hatte eine 14-jährige Krebspatientin an den britischen High Court geschrieben. Damit wolle sie sich die Chance auf ein „längeres Leben bewahren“. Das Oberste Gericht hat ihr den letzten Wunsch erfüllt. Ihre Leiche darf eingefroren werden.

Das Mädchen hatte beantragt, die Mutter möge allein entscheiden dürfen, was mit ihrem Leichnam geschehe. Die Eltern sind geschieden, der Vater des Kindes war gegen das Einfrieren gewesen. Er leidet selber an Krebs, argumentierte aber damit, dass die Tochter, würde sie eingefroren und tatsächlich wieder erwachen, noch zu jung sei, um alleine in der Zukunft für sich Sorgen tragen zu können.

Dieses Argument überzeugte den Richter scheinbar nicht. Er entschied zugunsten des Mädchens, wie erst jetzt bekannt wurde. Die 14-Jährige war nur wenige Tage nach dem Urteil gestorben, ihre Leiche in die USA überführt und dort auf Trockeneis gelegt worden.
Der Richter, den die 14-Jährige laut ihrer Rechtsanwältin daraufhin zu ihrem „Helden“ erklärte, hatte entschieden, dass die Mutter über die Konservierung entscheiden solle.

„Die Mutter ist am besten in der Lage, diese ungewöhnliche und schwierige Lage zu meistern“, hieß es in seinem nun veröffentlichten Urteil. Die Eltern der Mutter wollten die Kosten für den kyronischen Prozess übernehmen. Der Richter betonte, es sei nicht um ein Urteil über die Kältekonservierung als solche gegangen, sondern um die Schlichtung eines Familienstreits. Der BBC sprach dennoch von einer „historischen juristischen Auseinandersetzung“.

Kyronik – Körper im Eis und „Head in the Cloud“

Kryonik
Credit: Fer Gregory/Shutterstock.com

Ewiges Leben mit einer Prise Küchenlatein: Statt sich verbrennen zu lassen und eingeäschert zu werden, verfügt der Tote sich in flüssigem Stickstoff einfrieren zu lassen.

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Diese Form der Kältekonservierung wird Kryonik genannt. Unmittelbar nach dem Tod wird der Tote in ein Eisbad gelegt. Die Körpertemperatur wird extrem herabgesetzt. Künstliche Herzmassage und künstliche Beatmung sorgen dafür, dass weiter Blut und Sauerstoff im Körper zirkulieren. Das Gewebe wird durch Injektion von Medikamenten konserviert.

Später wird das Blut durch Frostschutzmittel ersetzt, was verhindert, dass sich Eiskristalle bilden, die die Zellen schädigen könnten. Der Kühlungsprozess darf nicht zu schnell gehen, damit die Zellen nicht beschädigt werden. Am Ende liegt die Temperatur bei minus 196 Grad. Dann lagert der Leichnam in einem mit flüssigem Stickstoff gefüllten Container gelagert. Einige lassen ihren ganzen Körper einfrieren, andere denken, das Hirn reiche aus, um auch den Restkörper durch Klonen wieder herzustellen.

Eiskalt kalkuliert

Weil gefrorene Eizellen und Spermien aufgetaut werden können, ohne dass sie Schaden nehmen, klinisch Tote aufgrund starker Unterkühlung noch nach über einer Stunde wieder zurückgeholt werden können und auch Spendenorgane durch die Lagerung auf Eis zumindest an Lebenszeit gewinnen, setzen immer mehr Menschen Hoffnungen darauf, ihr Leben durch einen fortgesetzten Kühlprozess verlängern zu können.

Dass es bei Würmern funktioniert, die auch nach dem Auftauen wieder bei Kräften sind und sich sogar erinnern können, wie die Nahrungssuche ablief, gibt ihnen Grund zur Annahme, dass es auch bald beim Menschen möglich sein wird, eine Fortsetzung an das erste Lebenskapitel anzuschließen.

Dafür zahlen sie 200 000 Dollar für eine Ganzkörperkonservierung oder 80 000 Dollar für die Aufbewahrung ihres Hirns im Eis. Natürlich investieren die Toten dabei in die Zukunft. Das Geld wird vertrauensvoll in einem Trust angelegt und verzinst, damit es auch für das Auftauen und die Wiederbelebung sowie vielleicht noch anstehende, medizinisch notwendige Behandlungen reicht.

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In Russland und den USA wird der Service von einigen Firmen bereits erfolgreich angeboten. Kyronik ist bereits ein allgegenwärtiger Topos in Scifi-Literatur und Film.
Einige Tausend Interessenten haben sich für die eigene Eistruhe schon offiziell angemeldet.

Sie fürchten nicht, beim Aufwachen in der Zukunft keine alten Bekannten anzutreffen. Auch, wenn nicht klar ist, ob es funktionieren wird, diese Form der – vielleicht nur vorübergehenden – Bestattung ist im Kommen. Für die Befürworter des Kyroschlafs ist die Kyronik eine reale Form der Hoffnung und Ausdruck rationalen Zutrauens in den Fortschritt der Wissenschaft. Denn letztlich ist ja auch der Flüssigkeitstank nur ein Sarg. Allerdings ein Sarg mit Potential – für die, die sich Spekulieren leisten können.

Mehr Informationen zum Thema Kryonik:

http://www.kryonik.de/

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Letzte Aktualisierung am 16.12.2018
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