Der kälteste Ort der Welt

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Credit: Sebastian Balders

An manchen Orten der Welt ist jeden Tag Winter. In der Ostantarktis liegt die Höchsttemperatur bei minus 45 °C. Die russische Forschungsstation Wostok im Wilkesland gilt als der kälteste Ort der Welt. Am 21. Juli 1983 wurden hier -89,2°C gemessen. Bei eisigen Temperaturen bohrten russische Wissenschaftler gemeinsam mit ihren französischen Kollegen einen Eiskern aus dem Eispanzer der Antarktis. Damit wollten sie die Klimabedingungen der letzten 420.000 Jahre erforschen. Die Station befindet sich auf dem Eis rund 1.260 Kilometer von der nächsten Küste und der Hauptstation Mirny entfernt.

Acht Monate Winter

Der kälteste dauerhaft bewohnte Ort liegt im fernöstlichen Teil Russlands in der Teilrepublik Sacha. Die Dorfbewohner von Oimjakon sind davon überzeugt, dass ihre Heimat mit Durchschnittstemperaturen von minus 50 °C der kälteste Ort der Welt ist. 1926 gab es den Rekord -71,2°C. Dennoch lautet der Name der Siedlung in der Sprache der Jakuten „heiße Quelle“. Oimjakon liegt 680 Kilometer von der Großstadt Jakutsk entfernt in einem Flusstal in 675 Metern Höhe. Während in den Wintermonaten Temperaturen von bis zu minus 71°C gemessen werden, klettert das Thermometer im Sommer bis auf 30°C. Trotz des Klimawandels dauert der Winter in der nördlichsten Region Russlands acht Monate.

Der Frühling beginnt in Oimjakon bei -20°C. Die Kälte hält die Einwohner nicht von ihren Unternehmungen ab. In der Turnhalle, die auch als Gemeinschaftshalle dient, finden neben Sportveranstaltungen auch Kulturabende statt. Sogar für Hochzeitsfeiern wird der Saal genutzt. Das Brautpaar gibt sich bei Minus 45 Grad Celsius das Ja-Wort. Statt eleganter Schuhe trägt die Braut Rentierstiefel. Nach der Trauungszeremonie erklingen spirituelle Gesänge. Damit soll der Feuergott freundlich gestimmt werden. Traditionelle Bräuche haben in Oimjakon eine wichtige Bedeutung und gehören zum Leben am kältesten Ort der Welt dazu. Dem Schamanismus fühlt sich die Mehrheit der Jakuten verbunden. Der Naturglaube mit der mehr als 1000-jährigen Geschichte darf erst seit dem Zerfall der Sowjetunion wieder öffentlich gepflegt werden.

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Der „Pol der Kälte“

Credit: Maarten Takens

Im Dorf leben die 800 Menschen im Einklang mit der Natur. Ohne die Gemeinschaft könnte niemand überleben. Im Ort gibt es ein kleines Rathaus, eine Schule und einen Dorfladen. Ein Reisebüro befindet sich in der Republikhauptstadt Jakutsk. Von dort aus sind es 800 Kilometer bis nach Oimjakon. Das Touristikministerium will den Kältetourismus fördern und baut die Busverbindung zwischen beiden Städten aus. Am Ortseingang von Oimjakon ragt das berühmte Kältedenkmal fünf Meter hoch in den Himmel. Darauf wird der Ort als „Pol der Kälte“ bezeichnet, an dem im Jahr 1926 die Weltrekord-Temperatur von minus 71,2 °C gemessen wurde. Da es damals in der Region noch keine Wetterstation gab, errechnete ein russischer Klimaforscher den Wert. Dafür wird er heute noch in Oimjakon wie ein Held verehrt. Denn inzwischen wollen andere Dörfer Oimjakon den Titel streitig machen.

Kühlschränke unter der Erdoberfläche

In den weit verstreuten Bauernhöfen von Oimjakon erfrischen sich die Bewohner bei minus 50 °C bei einer Schneedusche. Das einfache Leben kennt keinen Komfort. Anstatt im Kühlschrank lagern die Fleischvorräte drei Meter tief im Permafrostboden. Beliebt ist rohes Pferdefleisch, eine jakutische Spezialität. Für den Anbau von Gemüse ist die kurze Vegetationszeit von zwei Monaten nicht geeignet. Lebensmittel können sogar in den warmen Sommermonaten bei Temperaturen von 30°C unterhalb der Erdoberfläche eingefroren werden. Die Bewohner sind an die Kälte gewöhnt. Frisch gewaschene Wäsche, die zum Trocknen an die Leine gehängt wird, friert an der frischen Luft und wird steif wie ein Brett. Durch die eisigen Temperaturen wird die Wäsche desinfiziert und riecht anschließend frisch und sauber.

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Pferde als Statussymbole

Das Statussymbol der Einheimischen sind nicht etwa Autos sondern Pferde. Die Tiere leben in kleinen Herden von zehn bis 15 Pferden und benötigen keinen Stall. Pferde gibt es in der Region schon seit 500 Jahren. Die ersten Rösser wurden von den Mongolen mitgebracht, als sie von Mittelasien aus die Gegend um Oimjakon durchquerten. Die Einwohner des Ortes sind Jakuten und leben traditionell von der Rentierzucht und der Jagd. Im Alltag ernähren sie sich hauptsächlich von kräftigen Fleisch-Suppen. Außerdem lieben sie kaltes Essen. Gefrorener roher arktischer Fisch, Kabeljau, Lachs und gefrorene rohe Pferdeleber zählen zu den Spezialitäten.

Die wenigen Einheimischen, die ein Auto besitzen, können dieses im Winter nicht benutzen. Denn wenn der Motor einige Zeit still steht, springt er bei den niedrigen Temperaturen nicht wieder an. Eine mögliche Lösung wäre z.B. eine beheizte Garage. Da sich die meisten diese jedoch nicht leisten können, lassen sie die Motoren teilweise von Oktober bis April durchgängig laufen. Einige schließen ihr Auto mittlerweile ans Stromnetz, damit die Batterie nicht auskühlt.

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Sebastian Balders hat den kältesten Ort der Welt besucht:

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