Friedhof auf dem Mount Everest – Der höchste Berg der Welt

Der höchste Friedhof unter dem Himmel

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Am Dach der Welt thront 8848 Meter hoch der Mount Everest. Absoluter Gipfel und das höchste aller Ziele vieler Bergsteiger. Weit über 250 Menschen haben hier schon ihr Leben gelassen. Und auch ihre körperlichen Überreste sind oft noch da. Wie viele Tote am Friedhof auf dem Mount Everest liegen, ist unbekannt.

Vielleicht wissen es die einheimischen Nepalesen. Sie verehren den Everest, der in Landessprache Sagarmatha genannt wird, als Heiligtum. Der Berg, der für so viele Bergsteiger der Tod war, ist für sie ironischerweise die Wohnstatt von Jomo Miyo Lang Sangma, einer „Schwester des langen Lebens“. Um ihre Göttin, die angeblich auf einem roten Tiger reitet und die Menschen mit Nahrung versorgt, zu ehren, säubern sie regelmäßig den Berg von den Spuren der Bergsteiger und sammeln deren Überreste auf: Seile, Zelte, leere Sauerstoffflaschen. Und immer wieder finden sie auch Leichen.

Lizenziert zur letzten Ruhe

Jährlich werden von der nepalesischen Regierung Hunderte Lizenzen zur Besteigung des Bergs erteilt. Nach der Erstbesteigung im Jahr 1953 bestiegen innerhalb von zwanzig Jahren knapp hundert Menschen den Everest.

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Im Jahr 2007 waren es in einer Saison allein über 600. Für die Regierung stellen die Bergsteiger eine wichtige Zusatzeinnahme dar. Entsprechend hat sie keinerlei Interesse daran, die Bergsteiger danach zu fragen, ob sie für eine Besteigung auch die nötige Erfahrung mitbringen.

Ist diese vorhanden, birgt auch der Everest trotz seiner Höhe nicht mehr Gefahren als andere Berge. Allerdings gibt es weiter eine ungeschriebene Hierarchie zwischen denen, die die Besteigung mit und denen, die eine Besteigung ohne Flaschensauerstoff geschafft haben. Und das, obwohl die Sauerstoffkonzentration am Gipfel gegen null geht. Bergsteiger, die sich überschätzen und ohne geeignete Vorbereitung oder Begleitung die Tour unternehmen, stellen das eigentliche Risiko daher selber dar. Es kommt zu Abstürzen, Bergsteiger erfrieren in ihren Zelten, manchmal fehlt eine einzige Sauerstoffflasche oder die Kraft lässt nach, ist eigentlich schon am Ende und es fehlt der Mut, sich einzugestehen, dass das Ziel, auch wenn direkt vor Augen, nicht erreicht werden kann.

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Fast im Himmel sind sie dort, man nennt es auch die „Todeszone“. Meist tritt der Tod allerdings ein, nachdem die Bergsteiger den Everest bezwungen haben. Erst auf dem Abstieg vom Gipfel zwingt der Berg sie in die Knie. Und es gibt auch Todesopfer, die prinzipiell alles richtig gemacht haben und die am Ende doch noch ein Blizzard oder eine Lawine erwischt, wie 16 Bergsteiger im Jahr 2014.

Gipfel der Pietätslosigkeit

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Oft kann eine Bergung dann nur viel später erfolgen und ist sehr kompliziert, gefährlich und auch teuer. Ob ein Toter seine Ruhe abseits des Berges finden kann, hängt davon ab, ob er versichert war oder ob seine Angehörigen die Kosten für die Bergung übernehmen können. Denn zur Bergung eines Toten ist eine große Anzahl von Sherpas, den einheimischen Trägern, notwendig.

Das Wetter kann die Bergung der Leiche immer wieder behindern und oft liegt der Tote an einer Stelle, die nur sehr schwer zugänglich ist. Deswegen bleiben einige Tote tatsächlich ewig im Eis. Einige verborgen, andere direkt an der Route zum Gipfel. Man sieht in ihnen eine Warnung – oder auch nur einen makabren Wegweiser. Immer zahlreicher rücken die neuen Trupps heran, stauen sich zum Teil auf dem Weg, um den höchsten Berg der Welt zu bezwingen. Eine Leiche lag den Bergsteigern offensichtlich jahrelang derart im Weg, dass sie erst an den Rand des Trails verschoben wurde und schließlich verschwand – vermutlich wurde der Tote einfach ins Tal gestoßen.