Die 10 besten Scharfschützen aller Zeiten

Wenn sie auf der Jagd sind, dann kommt der Tod aus dem Hinterhalt, leise und mit tödlicher Präzision: Scharfschützen überbrücken mit ihren Waffen enorme Distanzen. Bei Wind und Wetter spüren Sie ihrem Gegner nach, mal mit Hilfe eines Beobachters, mal im Alleingang. Manche von ihnen haben Dutzende, gar Hunderte Feinde auf dem Gewissen – während andere über extreme Entfernung hinweg ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen.

Scharfschützen
Links Chris Kyle und rechts Simo Häyhä – commons.wikimedia.org

Hier sind die 10 besten Scharfschützen aller Zeiten.

Chris Kyle

Chris Kyle gilt als der Scharfschütze, der im Dienst des US-Militärs die meisten tödlichen Schüsse abgefeuert hat: Das Verteidigungsministerium der USA schreibt ihm sage und schreibe 160 Tötungen zu. Die größte Entfernung, über die hinweg er einen Menschen erschossen hat, liegt angeblich bei knapp 1.920 Metern. Mit vollem Namen hieß der langjährige Navy SEAL Christopher Scott Kyle (08.04.1974-02.02.2013). Geboren im Bundesstaat Texas, lernte er wohl schon früh, mit Waffen umzugehen. Nach dem Schulabschluss studierte er zuerst ganz friedliebend Fach Ranch and Range Management. Kurz vor seinem Abschluss brach er das Studium aber ab. Stattdessen ging er 1999 zum Militär und war zehn Jahre lang bei den Navy SEALs.

Im Verlauf des Irakkriegs war er an insgesamt vier Einsätzen beteiligt – weil er als Scharfschütze so gefürchtet war, schrieben seine Gegner damals sogar ein Kopfgeld von umgerechnet etwa 20.000 US-Dollar für ihn aus. Nach seiner Rückkehr aus seinem letzten Einsatz gründete Kyle eine eigene Sicherheitsfirma. 2013 wurde er jedoch von einem Veteranen des Irakkriegs erschossen – ironischerweise auf einem Schießübungsplatz.

Rob Furlong

Rob Furlong wurde 1960 auf der kleinen Insel Fogo Island in Neufundland geboren und war laut eigener Aussage nie als Sportschütze o.Ä. akti. All seine Erfahrung als Schütze erwarb auch er im Militärdienst. Er war lange Jahre Mitglied der Kanadischen Streitkräfte, wo er bis in den Rang eines Korporals aufstieg. Bekannt ist Furlong vor allem für einen ganz besonders präzisen Schuss, den er im Rahmen eines Einsatzes in Afghanistan im Jahr 2002 abgegeben hat. Aus 2.430 Metern Entfernung gab er insgesamt drei Schüsse auf einen MG-Schützen der Taliban ab. Die ersten beiden Schüsse verfehlten seinen Gegner knapp, der dritte war ein tödlicher Treffer – und damit der seinerzeit weiteste unter echten Kampfbedingungen abgegebene Todesschuss.

Dass der Schuss über eine so enorme Distanz abgegeben wurde, wusste das Team um den Scharfschützen damals übrigens nicht: Davon, dass sie einen Rekord aufgestellt hatten, erfuhren sie erst deutlich später. Seit 2013 bildet Furlong in einer eigenen Schule Scharfschützen für Militär und Polizei aus.

Wassili Grigorjewitsch Saizew

Gehen wir mal ein bisschen in der Geschichte zurück, dann finden wir mit Wassili Grigorjewitsch Saizew (23.03.1915-15.12.1991) einen Soldaten, der während des Zweiten Weltkriegs für die Armee der Sowjetunion kämpfte und sich als ausgezeichneter Scharfschütze erwies. Der Sohn eines Hirten aus dem Uralgebirge lernte schon früh, wie er mit Schusswaffen umzugehen hatte. Als 1941 der deutsche Angriff auf die Sowjetunion begann, ging er zunächst zur Marine – und landete in der Verwaltung. Erst im Jahr darauf meldete er sich für den Dienst an der Front. Als Soldat des 1047. Schützenregiments der 284. Schützendivision wurde er in der Schlacht von Stalingrad eingesetzt. Innerhalb von weniger als 40 Tagen soll er dort im eisig kalten November und Dezember 1942 insgesamt 225 deutsche Soldaten erschossen haben, einen großen Teil davon mit Präzisionsschüssen aus großer Distanz. Während der Kämpfe in Stalingrad bildete er außerdem 28 weitere Scharfschützen aus, die gemeinsam rund 3.000 deutsche Soldaten getötet haben sollen. In Hollywood-Filmen verarbeitet wurde zudem Saizews „Duell“ mit einem deutschen Scharfschützen. Tagelang lieferten sie sich ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel durch die Ruinen der Stadt, das der geschickte Saizew schließlich für sich entscheiden konnte.

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Ljudmila Michailowna Pawlitschenko

Wie bereits Saizew kämpfte auch Ljudmila Michailowna Pawlitschenko (12.07.1916-10.10.1974) als Scharfschützin im Dienst der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg gegen die deutschen Streitkräfte. Sie gilt bis heute als die Scharfschützin mit den meisten Todesschüssen. Sie war eine von nur etwa 2.000 weiblichen Scharfschützen der Roten Armee. Dabei war Ihre Ausbildung zur Scharfschützin eigentlich eher nebenher erfolgt, als Hobby und Sport im Rahmen ihrer Mitgliedschaft in einem Schützenverein. Als 1941 der Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion begann, brach Pawlitschenko – zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 24 Jahre alt – ihr Geschichtsstudium in Kiew ab und meldete sich als Freiwillige für die Front. Innerhalb von zweieinhalb Monaten tötete sie in Kämpfen um die Stadt Odessa 187 deutsche Soldaten. Insgesamt brachte sie es bis 1942 auf 309 ihr zugeschriebene Todesschüsse, musste das Schlachtfeld dann aber räumen: Sie war inzwischen so berühmt, dass ihr Tod die Rote Armee entmutigt hätte. Anstatt weiter zu kämpfen, wurde sie daher erst in die USA geschickt – gewissermaßen auf eine PR-Tournee, in deren Verlauf sie auch als erste Bürgerin der Sowjetunion im Weißen Haus empfangen wurde. Nach ihrer Rückkehr nach Europa bildete sie bis zum Kriegsende sowjetische Scharfschützen aus.

Norman Hathcock

Carlos Norman Hathcock II (20.05.1942-23.02.1999) trat bereits im Alter von 17 Jahren in die US-Armee ein und begann direkt mit der Ausbildung zum Scharfschützen. Über die tödliche Bilanz des im Vietnamkrieg berühmt-berüchtigten Scharfschützen herrscht allerdings Uneinigkeit: Von offizieller Seite bestätigt sind 93 tödliche Schüsse aus seiner Waffe – Hathcock selbst sprach zu Lebzeiten aber von mehr als 200 Todesschüssen. Der US-Marine gilt noch heute als Legende und als Vorbild für angehende Schützen. Seinen Bewunderern wie auch seinen Feinden in Vietnam war bzw. ist er insbesondere dadurch bekannt, dass er sich als Markenzeichen eine weiße Feder an den Hut zu stecken pflegte: Ein Hauch von Extravaganz, mit dem gewöhnlich kein Scharfschütze seine Tarnung ruinieren würde. Hathcock hingegen wurde in Vietnam durch seine tödlichen Schüsse so gefürchtet, dass sogar ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde.

Adelbert Waldron

Bis er 2011 durch Chris Kyle abgelöst wurde, hielt Adelbert F. “Bert” Waldron III. (14.03.1933– 18.10.1995) den Rekord als US-Amerikanischer Scharfschütze mit den meisten von offizieller Seite bestätigten Todesschüssen: Innerhalb von acht Monaten töteten traf er 109 seiner Gegner über große Distanz tödlich. Wie auch Hathcock diente Waldron im Vietnamkrieg. Als Mitglied der 9. Infanterie des US-Militärs war er im Mekong Delta stationiert. Dort schoss er – und auch dieser Schuss ist bestätigt – einmal über knapp 800 yards, d.h. aus einer Entfernung von rund 820 Metern auf einen Gegner, der sich auf einem fahrenden Boot befand: Ein tödlicher Treffer. Nach seiner Rückkehr aus Vietnam bildete übrigens auch Waldron selbst eine neue Generation von Schützen für das US-Militär aus. 1970 quittierte er jedoch den Dienst.

Matthäus Hetzenauer

Ein Zeitgenosse von Saizew und Pawlitschenko – wenngleich er diesen beiden nie begegnet ist. Matthäus Hetzenauer (23.12.1924-03.10.2004) stammte aus Tirol, kämpfte aber im Zweiten Weltkrieg im Dienst der Wehrmacht, und zwar als Mitglied der 3. Gebirgs-Division, die aus dem Österreichischen Bundesheer für die Wehrmacht rekrutiert wurde, nachdem Österreich 1938 dem Deutschen Reich eingegliedert worden war. Mit 345 bestätigten tödlichen Schüssen ist der Österreicher Hetzenauer der erfolgreichste Scharfschütze, den die Wehrmacht vorzuweisen hatte. Und das, obwohl er erst 19 Jahre alt war, als er zum Scharfschützen ausgebildet wurde! Zuvor hatte er zwar die Grundausbildung durchlaufen, doch sollte er erst Granatwerfer-Schütze werden, ehe er 1944 in die Ausbildung zum Scharfschützen kam.

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Craig Harrison

Der ehemalige britische Soldat Craig Harrison (geboren im November 1974) hielt bis 2009 den Rekord für den unter echten Kampfbedingungen abgegebenen Todesschuss über die längste Distanz. Dabei überbot er sogar Rob Furlongs Präzisionsschuss über 2.430 Meter, denn Craig Harrison hob die Messlatte für Scharfschützen auf rund 2.475 Meter Distanz an. Wie bereits Furlong, war auch Harrison in Afghanistan stationiert. Dort geriet seine Einheit 2009 in einen Hinterhalt und wurde durch feindliches Sperrfeuer davon abgehalten, sich zur Wehr zu setzen. Harrison setzte den Schützen mit einem Schuss außer Gefecht, der nicht nur einen Rekord brach, sondern auch alle Wahrscheinlichkeiten: Der Schuss über 2.475 Meter war nämlich eigentlich knapp 1.000 Meter weiter als Harrisons Waffe den Schützen zuverlässig zielen ließ. Nach dem ersten Schuss für den ursprünglichen Schützen, setzte Harrison übrigens noch zwei weitere Schüsse über dieselbe Distanz: einen, um den Feind auszuschalten, der die Waffe seines gefallenen Kameraden aufnehmen wollte, und einen letzten, um die Waffe selbst zu zerstören.

Simo Häyhä

Als effektivster Scharfschütze der Welt gilt nach wie vor der Finne Simo Häyhä (17.12.1905-01.04.2002). Er kämpfte im sogenannten Winterkrieg, in dem sich von November 1939 bis in den März 1940 hinein die ehemalige Sowjetunion und Finnland gegenüber standen. Häyhä tötete während dieser Zeit über 500 feindliche Soldaten – vielleicht brachte er es sogar, so wird bisweilen spekuliert, sogar auf mehr als 700 Todesschüsse. Ob 500 oder 700: Er ist auf jeden Fall der Scharfschütze mit der höchsten Zahl an tödlichen Präzisionsschüssen innerhalb ein- und desselben Krieges. Simo Häyhä hatte bereits vor Ausbruch des Winterkriegs als Soldat in der Finnischen Nationalgarde gedient und nahm 1939 die Waffe mit solcher Effizienz wieder auf, dass die Soldaten der Roten Armee den in der Winterkälte Finnlands lauernden Schützen bald als „den Weißen Tod“ zu fürchten begannen.

Der spektakuläre Todesschuss über mehr als 3.000 Meter

Zum Abschluss unserer Liste wollen wir den namenlosen Schützen nicht vergessen, der erst im Jahr 2017 den Weltrekord für den längsten tödlichen Präzisionsschuss auf 3.540 Meter erhöht hat. Nur zum Vergleich: Ein Fußballfeld in der Bundesliga ist 90 Meter lang. Ein Schuss über 3.540 Meter würde also einer Entfernung von mehr als 38 aneinander gereihten Fußballfeldern entsprechen. Der Name des Schützen, der auf diese Distanz so treffsicher blieb, ist nicht bekannt. Angeblich handelt es sich um einen kanadischen Scharfschützen, der im Irak auf diese Distanz einen Kämpfer des IS getötet hat. Dass der Schuss als solcher stattgefunden und vor allem getroffen hat, ist aber durch Videos belegt. Von der Waffe bis zum Treffer war das Projektil dabei übrigens schätzungsweise elf Sekunden unterwegs: Das Opfer konnte aus dieser Entfernung den Schuss vermutlich nicht hören – und der Schütze musste einen Moment den Atem anhalten, bis er sicher wusste, ob er getroffen hatte oder nicht.

Ein solcher Treffer stellt übrigens deshalb eine solche Seltenheit dar, weil er nur unter ganz bestimmten Bedingungen vorkommen kann: Um über knapp 3.500 Meter zu treffen, muss der Scharfschütze auch genau so weit freie Sicht haben – und das kommt in den meisten Kampfsituationen nicht vor, weil alle Beteiligten versuchen, etwas zum Schutz zwischen sich und den Feind zu bringen.

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