10 geheimnisvolle, ausgestorbene menschliche Spezies

Paläoanthropologen versuchen, die Entwicklung des Menschen mithilfe der Archäologie nachzuvollziehen und verwenden dabei außergewöhnliche Methoden. Bei der Suche nach neuen Erkenntnissen ist keine Fundstelle wie eine andere. Manche Entdeckungen der Forscher bringen die Wissenschaft einen großen Schritt weiter oder verändern unser heutiges Weltbild. Doch dort wo es Neues zu entdecken gibt, existieren auch Mysterien und Geheimnisse. Der folgende Artikel stellt zehn geheimnisvolle ausgestorbene menschliche Spezies vor.

Homo habilis
Homo habilis – commons.wikimedia.org

1. Boskop-Menschen

Als 1913 zwei Farmer einige Fossile in Südafrika entdeckten, war Ihnen wahrscheinlich nicht bewusst, welche Debatte sie damit anstoßen würden. Unter dem Fund befanden sich auch die Schädelknochen. Diese wurden von renommierten Forschern untersucht und anschließend die Erkenntnisse analysiert. Das Ergebnis: Es handelte sich um eine unbekannte Menschenart. Dieser wurde daraufhin der Name des Fundortes, Boskop, gegeben. Für besonderes Aufsehen sorgten die Berechnungen des Schädelvolumens: Die neu entdeckte Spezies hatte ein Schädelvolumen zwischen 1850 und 2000 Kubikzentimetern. Heute lebende Menschen haben im Durchschnitt ein Schädelvolumen von 1350 Kubikzentimetern. Der Boskop-Mensch hatte somit, so die Vermutung der Forscher, einen IQ von 150 Punkten.

Die schmalgesichtige Intelligenzbestie war in den folgenden Jahrzehnten Gegenstand intensiver wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Diskussion. Manche Autoren sahen im Boskop-Menschen sogar den Beweis für außerirdisches Leben auf der Erde.
Heute ist noch nicht ganz geklärt, ob es die Boksop-Menschen wirklich so gegeben hat, wie er von Anthropologen dargestellt wurde. Inzwischen wurde allerdings eingeräumt, dass der Boskop-Mensch kein Superhirn gewesen sein muss. Da die Größe des Gehirns nur bedingt auf den IQ schließen lässt.

2. Homo heidelbergensis

Der Homo heidelbergensis bedeutet „aus Heidelberg stammender Mensch“ und ist vom ersten Fundort, Heidelberg, abgeleitet. In Sima de los Huesos, einer kleinen Höhle in Spanien, wurden die meisten vollständigen Individuen gefunden: Insgesamt 28 Individuen konnten die Forscher in der Höhle ausgraben. Diese Menschenart war zwischen 1,60 und 1,70 Meter groß, wiegte 50 bis 60 Kilogramm und ernährte sich überwiegend pflanzlich. Sein Gehirnvolumen entspricht dem des heutigen Menschen. Die ausgestorbene Art lebte vor 600.000 bis 200.000 Jahren in Afrika und Europa. Der Homo heidelbergensis verwendete Steinwerkzeuge und Waffen. Die Jäger und Sammler jagten in Gruppen deutlich größere Tiere ‒ wie Wildkatzen und Großwild ‒ mit Speeren.
Unter anderem ist diese Spezies dafür bekannt, ihre Toten begraben zu haben. Das lässt darauf schließen, dass der Homo heidelbergensis ein Verständnis vom Tod hatte. An manchen Fundorten wurden sogar Grabbeigaben gefunden. Wobei nicht klar ist, ob diese beigegeben wurden oder der Tote die Beigaben schon bei sich trug.

3. Java-Mensch

Der Java-Mensch wurde 1891 von Eugéne Dubois auf der indonesischen Insel Java entdeckt. Der Entdecker gab ihm den wissenschaftlichen Namen „Pithecanthropus erectus“, was übersetzt bedeutet: Der Affenmensch, der aufrecht ging. Später wurde der Java-Mensch der Spezies Homo erectus zugeordnet. Der Homo erectus ist eine ausgestorbene Spezies, die der Gattung „Homo“ angehört und vor etwa 1,8 Millionen Jahren lebte. Er war der erste menschliche Vorfahre, der außerhalb von Europa entdeckt wurde. Seine Entdeckung und die spätere Entdeckung des „Peking-Menschen“ ließen Forscher lange Zeit glauben, dass der Mensch aus Asien stammt. Das hat sich inzwischen allerdings geändert. Heute vermuten Forscher, dass die Ursprünge des Menschen in Afrika zu finden sind.

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4. Homo rudolfensis

Der Homo rudolfensis ist einer der ältesten Vorfahren des Menschen und lebte vor 1,9 bis 1,8 Millionen Jahren. Er wurde von dem russischen Forscher V. P. Alexeev 1986 in der Nähe des Rudolfsees gefunden, der heute Turkana-See heißt. Die Spezies hat im Norden Kenias und möglicherweise im Norden von Tansania gelebt. Der Lebensraum wird auf Ostafrika eingegrenzt. Der Homo rudolfensis gilt als Bindeglied zwischen den Gattungen „Homo“ und „Australopithecus“. Die Spezies bewohnte bevorzugt Wälder in der Nähe von Flüssen. Die Abnutzungen der Zähne sprechen für eine rein pflanzliche Ernährung. An den Fundstellen konnten keine Werkzeuge gefunden werden, weshalb Paläoanthropologen vermuten, dass die Spezies keine Werkzeuge verwendet haben.

5. Denisova-Menschen

Die Denisova-Menschen lebten vor 40.000 Jahren. Sie gehören zur Gattung Homo und sind eng mit den Neandertalern verwandt. Genetisch sind die Denisova-Menschen jedoch eine eigenständige Art. Im Jahr 2000 wurde der erste Backenzahn der Art gefunden. In den nachfolgenden Jahren wurden weitere Fossilien in der Denissowa-Höhle ausgegraben. Die Höhle liegt in der russischen Region Altai und verfügte über einen Hauptraum sowie Nebenräume. Der Hauptraum war fast 100 Quadratmeter groß. Die DNA der Denisova-Menschen unterscheidet sich von Neandertalern und von heute lebenden Menschen. Um die Genetik der Denisova-Menschen zu analysieren, sequenzierten die Forscher die DNA aus einem einzigen Fingerknochen, den sie in der Höhle fanden.

6. Homo georgicus

Der Homo georgicus lebte vor cirka 1,8 Millionen Jahren in Georgien. 1991 fanden Paläoanthropologen den Kiefer eines Hominiden im Kaukasus. Anschließend gruben die Forscher weiter und fanden in den folgenden Jahren weitere Fossilien sowie Werkzeuge aus Stein. Die Knochen waren denen des Homo erectus ähnlich. 2000 fanden die Forscher allerdings einen weiteren Kiefer, dessen Größe und Form sich von der des Homo erectus unterschied sowie keiner anderen bekannten Art, die zu dieser Zeit in Georgien lebte, zugewiesen werden konnte. Daher wurde dieser Kiefer einer neuen Spezies, Homo georgicus, zugewiesen. In den nachfolgenden Jahren fanden Forscher weitere Knochen, die dieser Spezies zugeschrieben werden. Forscher vermuten, dass vor 1,8 Millionen Jahren zwei Hominidenarten unabhängig voneinander in Georgien gelebt haben könnten.

7. Rotwildhöhlen-Menschen

Die Rotwildhöhlen-Menschen sind eine erst kürzlich entdeckte Spezies. Die Fossilien wurden in Höhlen in Südchina in der Provinz Yunnan gefunden. Den Anfang macht ein Fund von 1978 in der Höhle Maludong. Maludong bedeutet „Rotwildhöhle“, daher kommt auch der Name „Rotwildhöhlen-Menschen“. In der Höhle wurden zudem viele Knochen von Rotwild gefunden, die darauf hindeuten, dass deren Bewohner bevorzugt Rotwild jagten. Die Rotwildhöhlen-Menschen lebten vor etwa 11,500 bis 14,000 Jahren und haben somit die letzte Eiszeit im Südwesten Chinas überlebt. Sie unterschieden sich äußerlich dennoch stark von den heute lebenden Menschen. Sie hatten ein flaches, breites Gesicht und eine schmale Nasen. Die Wissenschaft ist sich noch uneinig, wozu die Rotwildhöhlen-Menschen gehören. Entweder sie werden als sehr frühe menschliche Population betrachtet oder sie zählen als eine der letzten prähistorischen Populationen, die allein die Eiszeit überlebte. Wobei noch unklar ist, wie diese besonderen Menschen allein die Eiszeit überleben konnten. Forscher vermuten, dass das Klima und die Umwelt in Südchina damals einzigartige Bedingungen geboten haben mussten, damit die Rotwildhöhlen-Menschen die Eiszeit überleben konnten.

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8. Homo naledi

2013 macht Lee Berger von der „University of the Witwatersrand“ eine bahnbrechende Entdeckung in seinem Forschungsgebiet. Sein Forschungsteam und er fanden tief in einem südafrikanischen Höhlensystem tausende Knochen einer neuen Spezies, die den Namen Homo naledi bekam.
2015 wurde den Forschern klar, dass die neue Spezies sich grundsätzlich von dem unterschied, was sie bisher entdeckt hatten. Zwar ähnelten Teile des Skelettes dem Skelett des heutigen Menschen, doch es gab auch große Unterschiede: Beispielsweise ist der Schädel des Homo naledi nur ein wenig größer als der eines Schimpansen. Allerdings hatten die Forscher Schwierigkeiten die Ergebnisse richtig einzuordnen, da sie nicht wussten, wann die Spezies gelebt hatte. Erst 2017 fand Berger heraus, dass die Spezies vor 300.000 bis 200.000 Jahren gelebt hatte. Das Alter ist an sich nichts besonders, aber für diese Spezies sehr ungewöhnlich. Die Spezies hatte noch gekrümmte Finger, eine kleine Gehirngröße und eine Form der Schulter, die für Spezies von vor 2 Millionen Jahren typisch war. Es ist nicht geklärt, warum die Spezies Merkmale von Spezies, die sehr viel eher lebten, hatte.

9. Peking-Menschen

Der Peking-Mann ist ein bekanntes Fossil, das in den 1920er Jahren in einer Höhle nahe Peking gefunden wurde. 1927 wurde der Peking-Mann auf der Grundlage eines einzigen Zahnes als Teil der menschlichen Abstammung identifiziert. In den nachfolgenden Jahren wurden weitere Knochen von insgesamt 40 Fossilien gefunden. Die Überreste wurden auf 770.000 bis 230.000 Jahre geschätzt. Die Peking-Menschen hatten ein Schädelvolumen von 1000 Kubikzentimeter und wurde fast so groß wie heutige Menschen. 1958 wurde in derselben Höhle erneut gegraben und neue Entdeckungen gemacht. Es wurden Fossilien und Werkzeuge entdeckt. 1941 wurde versucht, die Fossilien der Peeking-Menschen von China nach Amerika zu schmuggeln. Die Knochen verschwanden und wurden nie wieder vollständig zusammengeführt. Bis heute sind die Hintergründe der Schmuggel-Versuche nicht vollständig aufgeklärt.

10. Homo habilis

Homo habilis wird unter Paläoanthropologen auch als „Wendepunkt der Paläoanthropologie“ bezeichnet, da vor der Entdeckung nur Vorfahren der Gattung „Australopithecus“ und nicht der Gattung „Homo“ in Afrika gefunden wurden. Bis dahin war vermutet worden, dass sich die Gattung „Homo“ in Asien entwickelt hat. Der Homo habilis hat vor cirka 2,1 bis 1,5 Millionen Jahren in Afrika gelebt. Entdeckt wurde die Gattung von Heselon Mukiri im Juni 1959 in der Olduvai-Schlucht. Der Entdeckter fand lediglich ein Weisheitszahn und ein Bruchstück eines Unterkiefers. 1960 entdecke ein weiterer Forscher einen vollständig bezahnten Unterkiefer eines Kindes. 1964 wurde die Erstbeschreibung des Homo habilis von den Forschern in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Das Typusexemplar wurde der Name „Johnnys Kind“ gegeben.

Die lange, unaufgeklärte Geschichte des Menschen

Die Welt der Paläoanthropologen ist nicht nur vielseitig, sondern kann auch spannend sein. Bei ihrer täglichen Arbeit decken die Forscher nicht nur Geheimnisse in der Stammesgeschichte der Menschen auf, sondern stehen oftmals auch vor faszinierenden Mysterien. Zudem hat dieser kleine Einblick ein Gefühl dafür gegeben, wie lange es gedauert hat und wie viel Zufall notwendig war, dass sich der heutige Mensch entwickeln konnte.